Über unser Projekt: Schlesien verfügt über eine reiche, bis ins 18. Jahrhundert zurückgreifende Tradition in der Herstellung handgefertigter Spitzen in zwei verschiedenen Techniken: Nämlich die Klöppelspitze und die Nadelspitze. Leider ging die Geschichte der Spitzherstellung in beiden Techniken Mitte des 20. Jahrhunderts verloren. Eines der vorrangigen Ziele der „Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien“ (SKGD) ist es, die Traditionen und das kulturelle Erbe Schlesiens zu pflegen und zu bewahren. Aus diesen Anliegen heraus kam uns der Gedanke, diese alte schlesische Handarbeitstradition – die Anfertigung von Spitzen – wiederzubeleben und das Wissen zu diesem Thema aufzufrischen. Unser Projekt „Die Geheimnisse der schlesischen Spitze – ihre Geschichte, Tradition und Gegenwart“ eröffnet so allen die Möglichkeit ihr Wissen über die Geschichte und Geschichten der Herstellung von schlesischen Spitzen, über die Techniken ihrer Herstellung sowie über die von ihr verwendeten Muster zu erweitern.
Im Rahmen unseres Projekts wurden verwirklicht:
Eine kurze Geschichte der schlesischen Klöppel- und Nadelspitze auf Ausstellungsbannern.
Download [PDF]Schlesien verfügt über eine reiche, bis ins 18. Jahrhundert zurückgreifende Tradition in der Herstellung echter handgefertigter Spitzen in zwei verschiedenen Techniken: Nämlich die Klöppel- und die Nadelspitze.
König Friedrich II. von Preußen, genannt der Große, führte in Schlesien die Technik der Herstellung von Klöppelspitzen ein und ließ sie mit Hilfe seiner beiden schlesischen Provinzialminister, Ernst Wilhelm von Schlabrendorff und Georg von Hoym, dort verbreiten. Beide Minister setzten darauf Spitzenlehrerinnen aus Belgien –, vor allem aber aus dem sächsischen Erzgebirge nach Schlesien zu holen. Darunter auch solche aus dem erzgebirgischen Annaberg, wodurch man die Klöppelspitze in Schlesien schon bald als „Annaberger Spitze“ bezeichnete.
Innerhalb Schlesiens haben sich für diese Technik leider keinerlei alte Mustervorlagen – die so genannten Klöppelbriefe – erhalten, weshalb wir auf die ursprünglichen Quellen zurückgegriffen haben: Historische Klöppelbriefe der „Klöppelschule Barbara Uthmann“ in Annaberg-Buchholz. Dort wie in etwa einem anderen Dutzend von Orten des Erzgebirges werden Klöppelspitzen bis ins heutige 21. Jahrhundert ununterbrochen hergestellt.
Die Herstellung von Nadelspitzen beschränkte sich hingegen auf die Region des schlesischen Riesengebirges, wo in früheren Zeiten die Heimweberei– und spinnerei weit verbreitet war. Die Nadelspitze ist die feinste und zugleich aufwändigste und teuerste aller Spitzenarten – mit Stolz wurde sie von der preußischen Elite und Aristokratie, so wie später von der des Deutschen Kaiserreichs getragen.
Genaueres zur Geschichte kann man aus der Publikation Gisela Graff-Höfgens: „Schlesische Spitzen. Eine Dokumentation über die schlesische Klöppel- und Nadelspitzenherstellung“ erfahren.
Nach den uns freundlicherweise von der „Klöppelschule Barbara Uthmann – Annaberg-Buchholz“ überlassenen Klöppelbriefen haben wir im Verlauf unserer Handarbeitsstunden der „Ersten Sommerakademie, gewidmet der Schlesischen Klöppelspitze“ die entsprechenden Klöppelspitzen angefertigt. Wir haben in zwei Gruppen gearbeitet – in einer für fortgeschrittene Spitzenklöpplerinnen, die nach den historischen Klöppelbriefen die zugehörigen Spitzen anfertigte, und – in einer Anfängergruppe, in der die ersten Schritte dieser Technik erlernt wurden.
Angeleitet wurden wir von unserer Lehrerin Frau Małgorzata Połubok, einer Spitzenkünstlerin mit einer langjährigen Handarbeitserfahrung. Sie ist zugleich Mitbegründerin und Leiterin des „Schlesischen Klöppelspitzenkreises“ (Śląskie Koło Koronki Klockowej). Die Workshops fanden im August und September 2020 im Haus des „Deutschen Freundschaftskreises Krappitz/Ottmuth“ (Dom Spotkań DFK Krapkowice-Otmęt) unter der aufmerksamen Betreuung von Anna Kulka statt.
Die auf den Bildern dargestellten Spitzen kann man beim „Schlesischen Klöppelspitzenkreis“ (Śląskie Koło Koronki Klockowej) erwerben.
Noch bis zum 28. November 2020 kann in Opole im „Museum des Oppelner Schlesien“ unsere Ausstellung über die schlesische Klöppel- und Nadelspitze besucht werden. Dort sind von der Freiin Hedwig von Dobeneck aus den „Spitzenschulen der Fürstin von Pless“ (bekannt als Daisy) entworfene und gefertigte Spitzen zu bewundern – sowie auch solche aus den „Schlesischen Spitzenschulen Hoppe-Siegert“, welche diese Handarbeitskunst als letzter Betrieb noch bis 1945 in Hirschberg ausübten.
Man sollte auch nicht versäumen der ethnografischen Museumsabteilung einen Besuch abzustatten. Hier sind aus Spitzen gefertigte Spitzenhauben, Klöppelkissen und -briefe zur Anfertigung von Klöppelspitzen aus dem Teschener Schlesien sowie mit echten schlesischen Spitzen verzierte Kleidungsstücke zu bestaunen.
Wie danken der Direktion und dem Team des „Museums des Oppelner Schlesiens“ in Opole (Oppeln) herzlich für die gute Zusammenarbeit – ganz besonders Frau Małgorzata Gos und der Ethnografischen Abteilung sowie der Grafikerin Frau Bożena Trabuć.
An der Museumskasse sowie auch im Büro des Vorstands der „Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien“ (SKGD) ist die Neuausgabe von Frau Gisela Graff-Höfgens Publikation. „Schlesische Spitzen. Eine Dokumentation über die schlesische Klöppel- und Nadelspitzenherstellung“– zusammen mit ihrer Übertragung.
Towarzystwo Społeczno Kulturalne Niemców na Śląsku Opolskim
Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien
ul. Konopnickiej 6
45-004 Opole
Koordynatorka / Koordinatorin: Beata Kubica